Die nach dem Ersten Weltkrieg gegründete Marke von W. O. Bentley wurde binnen weniger Jahre zu einem Synonym für schwere, kraftvolle Touren- und Rennwagen. Mehrere Le-Mans-Siege untermauerten den Ruhm der Marke. Die Bentley waren ebenso leistungsfähig wie hochwertig. Letzteres Prädikat mag mit ein Grund dafür gewesen sein, dass die Bentley Motors Ltd. 1931 in Konkurs geriet, aber auch dafür, dass Rolls-Royce die Firma übernahm. W. O. Bentley arbeitete fortan für Lagonda; er verstarb 1971 im Alter von 83 Jahren. Sein Name hat in der Geschichte des Autos einen festen Platz.Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte Rolls-Royce ein neues Bentley-Modell, den Mark V, bereitgestellt. Er konnte nicht mehr in Produktion gehen, wurde aber während des Krieges weiterentwickelt, um 1946 schließlich als Typ VI vorgestellt zu werden. Es handelte sich um eine klassische Limousine im «Messerkantenstil», etwas kleiner und billiger als die Rolls-Royce. Zwar verkörperten die Bentley längst keine Sportwagen mehr, sie waren jedoch für den öfter auch selbst fahrenden Sportsmann oder Gentleman gedacht, dem eine Rolls-Royce-Limousine zu groß war.

Schritte zur Angleichung der beiden Marken wurden aber mit dem Bentley Mark VI bereits vollzogen: Er besaß die gleiche 41/4-Liter-6-Zylinder-Maschine mit obengesteuerten Einlaß- und stehenden Auspuffventilen wie der Rolls-Royce Silver Wraith, jedoch mit etwas höherer Leistung, aber geringerer Elastizität, so dass man häufiger zum Schalthebel greifen mußte. Geschaltet wurde das 4-Gang-Getriebe -wie beim Rolls - mit einem kurzen Hebel, der rechts außen neben dem Fahrersitz angeordnet war! Das Fahrgestell war überarbeitet und trug auf einem mittleren Querträger ein Lager für die geteilte Kardanwelle. Die vordere Einzelradaufhängung mit zwei ungleichen Dreiecklenkern war schon beim Mark V eingeführt worden. Sie war mit Schraubenfedern gekoppelt, während die starre Hinterachse halbelliptische Blattfedern aufwies, die von Ledergamaschen geschützt und am Zentralschmiersystem angeschlossen waren.

Der Mark VI wurde außer mit der Serienkarosserie bald auch mit Spezialaufbauten der renommierten britischen Karosseriefirmen Park Ward (Cabriolet), James Young (Coupe), Mulliner (Limousine), Gurney Nutting (Sedanca Coupe), aber auch als Schweizer Cabriolet (Ramseier, Worblaufen, später auch Graber) angeboten. 1948/49 erstreckte sich die Bentley-Preisskala von 53 000 bis 76 000 Franken. Damals wurde für den Export auch die Linkslenkung mit Lenkradschaltung eingeführt. Ebenfalls 1949 schuf Pinin Farina eine Spezialkarosserie mit stark in die Breite gezogenem Kühlergesicht, während H. J. Mulliner einen höchst gelungenen «Fließheck»-Bentley kreierte. Für den Genfer Salon 1951 schuf Hermann Graber ein wegen seiner sauberen Linien vielbeachtetes Coupe auf Bentley-Chassis.

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Continental
In der zweiten Hälfte 1951 wurde der Hubraum der Bentley-(wie der Rolls-Royce-)Motoren von 4256 auf 4566 cm3 erhöht (92,0 statt 88,9 mm Bohrung). Es gab nun auch einen Doppelauspuff (für je drei Zylinder). Anfang 1952 tauchte erneut ein von Mulliner karossierter prächtiger «Stromlinien»-Bentley auf. Er basierte auf einem bereits 1951 in Erprobung gegangenen leistungsgesteigerten Modell, das angeblich 200 km/h Spitze erlaubte. Doch erst im Herbst jenes Jahres kam dieses gleichzeitig Kraft und Eleganz ausstrahlende Fahrzeug ins reguläre Angebot: Es wurde Bentley Continental Sports Saloon genannt und wartete dank höherer Verdichtung (7,25 statt 6,4:1) sowie geänderten Untersetzungsverhältnissen in der Tat mit deutlich höherer Leistung auf. Die Leistungs-PS wurden aber - wie stets bei Rolls-Royce und Bentley - auch für dieses Modell nicht bekanntgegeben. Zudem mussten sich die Käufer verpflichten, mit dem Continental keine Rennen zu bestreiten … Zu den verschiedenen Spezialkarosserie-Bentley, die bei Graber im Kanton Bern entstanden, zählte 1953 schließlich auch ein Faux-Cabriolet mit Panorama-Heckscheibe. Im gleichen Jahr wurde der Continental von der «Automobil Revue» einer Langstreckenprüfung unterzogen. Er wurde als «Spitzenleistung des internationalen Automobilbaus» anerkannt. Hier einige Messdaten, die das damals 75 000 Franken kostende Prestigeauto erbrachte: 0 bis 100 km/h in 13 Sekunden, 0 bis 160 km/h in 41,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 181 km/h, Verbrauch über 2800 km 14,1 1/100 km, Gewicht 1750 kg. Beim Genfer Salon 1954 war der Continental erstmals auch mit einer Spezialkarosse-rie, einem Cabrioletaufbau von Graber, zu sehen. Bald darauf folgte auch ein Pinin-Farina-Coupe. In jenem Jahr erhielt der «Conti» 4,9 Liter Hubraum.

Schon mit dem 1949 eingeführten Silver Dawn hatte Rolls-Royce ein mit dem Bentley weitgehend identisches Fahrzeug geschaffen. Die Parallelschaltung der beiden berühmten Marken wurde weiter gefestigt, als die nun Typ R (oder B 7) genannte Bentley-Limousine ab 1953 gleichzeitig mit dem Silver Dawn einen vergrößerten Kofferraum und auf Wunsch ein von Rolls-Royce überarbeitetes GM-Hydramatic-Getriebe erhielt. Neu war neben technischen Vervollkommnungen die elektrisch beheizbare Heckscheibe.

Typ S
Im Frühling 1955 wurden der Bentley R und der RR Silver Dawn durch die Modelle S bzw. Silver Cloud mit 4,9-Liter-Motor abgelöst. Sie präsentierten sich in einem gestreckten «Messerkantenstil», wodurch sie bei gleichzeitigem Beibehalt des traditionellen Erscheinungsbildes wesentlich moderner und auch repräsentativer wirkten. Doch nicht nur der Karosserieaufbau auf 4 Alu-Reifen wurde erneuert, auch die Mechanik bot zum Teil wesentliche Verbesserungen. Das aus Längsträgern und einer kräftigen Kreuztraverse komponierte Chassis erhielt anstatt der U-Profile nun geschlossene Kastenträger, womit die Steifigkeit um 30 Prozent erhöht werden konnte. Ohne vom Konstruktionsprinzip abzugehen, wurden auch die Vorderradaufhängung und die Lenkung überarbeitet. Die starre Hinterachse erhielt einen Z-förmigen Stabilisator, und weitere Detailverfeinerungen zielten ebenfalls in Richtung Fahrkomfort, Geräuschlosigkeit und höchstmögliche Lebensdauer.

Rolls-Royce und Bentley unterschieden sich ausschließlich durch ihre markentypischen Kühlergesichter. Immerhin kam im Herbst 1955 auch ein neuer Bentley Continental heraus. Er hatte die gleichen technischen Verbesserungen wie der S-Type und überdies eine höhere Verdichtung (7,25 statt 6,75:1) sowie eine längere Hinterachsuntersetzung. In der Normalausführung besaß der Continental wiederum eine Stromlinien-Coupekarosserie von Mulliner, bei der die Hinterkotflügel nun zu kleinen Flügeln ausliefen; die Hinterräder waren jetzt ohne Abdeckung. Daneben waren auch Coupe- und Cabrioletversionen von Park Ward erhältlich. Das beim Bentley S zur Serienausrüstung gehörende Automatikgetriebe wurde nun auch beim Continental eingebaut. Ende 1956 wurde die Continental-Leistung durch eine auf 8:1 gesteigerte Verdichtung und durch Vergaser mit größerem Ansaugquerschnitt erneut erhöht; die Leistungs-PS blieben aber nach wie vor geheim! Wie bei den Rolls-Royce wurden nun eine eigene Servolenkung und eine Klimaanlage eingeführt. Erst ab Herbst 1957 war der Continental wieder mit einem von Hand zu schaltenden 4-Gang-Getriebe (mit drei sperrsynchronisierten Gängen) erhältlich, womit man dem Wunsch zahlreicher Liebhaber nach einem Hauch von (Bentley-) Sportlichkeit Rechnung trug. Im gleichen Jahr offerierte Mulliner einen viertürigen Continental mit abgerundeter 6-Fenster-Stufenheckkarosserie, zudem war nun der S-Type wie bereits der Silver Cloud mit langem Radstand und entsprechenden Aufbauten lieferbar.

V8
Eine wesentliche Neuerung erfuhren die Bentley wie die Rolls-Royce im Herbst 1959 mit der Einführung des V8-Motors. Es handelte sich um eine 6,2-Liter-Maschine mit hängenden Ventilen. Der Motorkonzeption mit gegengesteuerten Ventilen wurde damit endgültig Valet gesagt. Als S 2 bot der Bentley nun weit mehr Leistung und einen noch geschmeidigeren Lauf. Die Zentralschmierung wurde zugunsten eines üblichen Schmiersystems aufgegeben. Auch der Continental erhielt den V8-Motor; er unterschied sich vom S 2 aber noch durch die niedrigere Untersetzung, die Leichtmetallkarosserie (längst keine Stromlinie mehr) und die vergrößerten Bremsflächen. Von Handschaltung war nun nicht mehr die Rede !

Hier sei noch erwähnt, dass die Bentley in der Schweiz lange Zeit eine Sonderstellung einnahmen. Sie wurden, obwohl in weit geringerer Zahl hergestellt als die Rolls-Royce, in der Nachkriegszeit von der auch hier schmalen Käuferschicht vorgezogen: Ein Bentley wirkte diskreter!

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